Gestern – heute – immer: Leben in der Hoffnung auf Gottes Ewigkeit

Liebe Schwestern und Brüder,
der November ist ein besonderer Monat. Die Tage werden kürzer, die Natur zieht sich zurück und Blätter fallen. Nichts bleibt, wie es ist. Vergänglichkeit gehört zum Leben. Sie kann uns traurig machen, manchmal sogar Angst bereiten. Zugleich lädt sie uns ein, genauer hinzuschauen: Was ist wirklich wichtig? Was trägt, wenn Vertrautes vergeht?
In diesen November fallen die beiden Feste Allerheiligen und Allerseelen. Allerheiligen hat eine lange Geschichte. Bereits in der frühen Kirche gab es ein Gedenken an die Gemeinschaft aller Heiligen. Papst Gregor IV hat das Fest im Jahr 835 auf den 1. November festgelegt. Es geht dabei nicht nur um die großen und bekannten Heiligen, sondern um alle Menschen, die ihr Leben aus dem Vertrauen auf Gott gelebt haben – auch um jene, deren Namen nur Gott kennt. Der 2. November, Allerseelen, schließt unmittelbar daran an. Wir denken an unsere Verstorbenen. Wir besuchen die Gräber, entzünden Kerzen und bringen unsere Trauer und unsere Hoffnung vor Gott. Beide Tage gehören deshalb eng zusammen. Sie führen uns mitten hinein in die österliche Hoffnung unseres Glaubens: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Christus ist auferstanden – und wir dürfen darauf vertrauen, dass auch unser Leben bei Gott seine Vollendung findet. Vielleicht lässt sich das mit drei Worten zusammenfassen: gestern – heute – immer.
Gestern: Wir kommen aus einer langen Geschichte. Menschen vor uns haben geglaubt, gehofft, geliebt, gebetet und Kirche gestaltet. Viele von ihnen haben Spuren hinterlassen, von denen wir heute leben. Wir stehen auf den Schultern derer, die vor uns waren.
Heute: Wir leben in einer Zeit, in der sich vieles verändert. Auch Kirche ist davon nicht ausgenommen. Strukturen verändern sich, Gemeinden werden kleiner, Gewohntes wird aufgegeben oder neu gedacht. Das kann schmerzen. Aber auch Kirche ist kein fertiges Gebilde, das für immer in einer bestimmten Form bestehen muss. Vergänglichkeit ist auch für unsere Kirche eine Herausforderung. Sie zwingt uns, Abschied zu nehmen, neu zu fragen und nach Wegen zu suchen, wie die Botschaft Jesu unter den Bedingungen unserer Zeit lebendig bleiben kann.
Und immer: Die Botschaft Jesu bleibt. Das Evangelium verliert nicht seine Bedeutung, auch wenn sich die Welt verändert. Vielleicht besteht unsere Aufgabe gerade darin, es immer wieder neu zu hören und in die Welt von heute zu buchstabieren: Was bedeutet die Liebe Gottes heute? Wo braucht es unsere Stimme für die Schwachen, Einsamen und Ausgegrenzten? Wo können wir Hoffnung schenken?
Gestern – heute – immer: So dürfen wir als Kirche unterwegs sein. Dankbar für das, was war. Wach für das, was heute ist. Und voller Hoffnung, die größer ist als der Tod. Ihnen allen wünsche ich einen gesegneten November, besinnliche Tage, erfüllende Begegnungen und Gottes reichen Segen auf ihrem Lebens- und Glaubensweg.
Detlef Pötzl